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5. Reisebericht „durch Bolivien und wieder zurück nach Uruguay

 

 

Auffahrt Fähre.
3.Auffahrt Fähre

Spaziergang durch La Paz
6.Spaziergang durch La Paz

Panflöte
8.Panflöte

abgerutscht...
15. Abgerutscht

Eine Tarantel
16.Tarantel1

 

 E-Mail - Kontaktadresse zu Ina und Tony :

 I_N_A@web.de

 

Durch Argentinien
19.durch Argentinien

Abfahrt nach Oberland
10.Abfahrt vom Oberland

Weg ins Tiefland
11.Weg ins Tiefland

5. Reisebericht

„durch Bolivien und wieder zurück nach Uruguay“

 

Vor 2 Tagen, am 26.2., sind wir in Copacabana angekommen und haben uns hier ein wunderschönes Hotelzimmer mit Blick über den Titicacasee genommen. Mein Magen und Darm haben wieder mit dem hiesigen Essen zu kämpfen. Tony nutzt die Zeit, um die Mopeds durchzugucken, alle Schrauben nachzuziehen. Am Abend machen wir einen Spaziergang durch das kleine Städtchen mit schmalen Gassen, die steil zum See hinunterführen. Wir genießen die Ruhe und stellen fest, dass wir beide schon etwas reisemüde sind und uns auf die Rückkehr nach Uruguay freuen.

1.Tony und Patrick an den Mopeds1Am nächsten Tag kommen Patrick und Jana, unsere Freunde aus Berlin, die auch seit einigen Monaten mit ihren Mopeds Südamerika entdecken. Wir haben uns so viel zu erzählen, dass wir spontan entscheiden, noch einen Tag länger zu bleiben – mal wieder „un dia mas“! Dadurch haben die beiden Männer auch Zeit, die Motorräder von Patrick und Jana zu überholen, die nach einigen tausend Kilometern natürlich ihre Spuren bekommen haben. Jana und ich nutzen die Zeit für einen Stadtbummel und 2. Fähre Titicacaseemachen einige Besorgungen. Am Abend spielen wir ein paar Runden „Lumber Jack“ – das Würfelspiel vom letzten Jahr. Da kommt Tony die Idee, wir könnten ja unsere nächste Etappe mit den beiden zusammen fahren. Wir wollen nach La Paz, wo die beiden allerdings gerade herkommen. Also würfeln wir um das nächste Etappenziel… und… Tony gewinnt.

4. Tony auf der FähreAlso machen wir uns am nächsten Morgen zu viert auf nach La Paz. Dabei fahren wir über die bergige Halbinsel hinüber in ein kleines Dorf. Hier bringt uns eine Fähre, die nur aus ein paar zusammengenagelten Holzplanken besteht rüber ans andere Ufer. Der Fährmann versucht uns noch ein paar mehr Bolivianos aus der Tasche zu ziehen als vorher ausgehandelt, aber wir bleiben hart und verlassen für den üblichen Preis sein Floß. Es sind nur ungefähr 150Kilometer bis nach La Paz. Kurz vor der Millionenstadt bekommen wir in El Alto einen ersten Eindruck von der Fahrweise der Bolivianer. Es gibt wieder nur eine Verkehrsregel: Das größte und schnellste Fahrzeug hat Vorfahrt. Sogar rote Ampeln haben auf den großen Straßen der Stadt keine Bedeutung – wenn man stehen bleibt, wird man umgefahren. Darum müssen wir mit unsern „kleinen“ Mopeds teilweise ganz schön dreist sein, um zusammen durch die Stadt zu kommen. Jana erstellt für uns regelrechte Straßensperren, damit wir alle zusammen weiterkommen. 5. La Paz1Schließlich fahren wir die Straße nach La Paz hinunter und nach einer weiteren Kurve eröffnet sich der riesige Kessel der Stadt vor uns. Dank Patricks Navi kommen wir relativ einfach und schnell durch die Stadt und finden das „Oberland“. Dieses Hotel wurde vor vielen Jahren von einem Schweizer gegründet und ist jetzt Anziehungspunkt für zahlreiche europäische Reisende. Von hier aus starten viele ihre Fahrt über die Yungas-Straße, den Camino de la muerte, die Todesstraße, die sich einspurig durch den Dschungel schlängelt. Tony und mich reizt ebenfalls, diese abenteuerliche Route ins Flachland zu fahren. Aber wir hören von zwei anderen Motorradreisenden mit Solomaschinen, die nur einige Kilometer weit gekommen sind, und dann wegen einem massiven Erdrutsch wieder umkehren mussten. Die Regenzeit macht auch hier in Bolivien viele Straßen unpassierbar.

Das „Oberland“ jedenfalls ist im Moment komplett ausgebucht, aber der freundliche Schweizer erlaubt uns für wenig Geld auf dem angrenzenden Fußballplatz zu zelten. Im hoteleigenen Restaurant genießen wir Vollkornbrot und Fondue. Am nächsten Tag erkunden wir La Paz, spazieren durch das Hexenviertel und kaufen Souvenirs. Aufgrund der steil ansteigenden Gassen erweist sich der Spaziergang für Tony allerdings nicht ganz entspannt und so schieben wir ihn immer abwechselnd die Straßen hoch. 9.LamafötenAn vielen Ständen kaufen die Bolivianer tote Föten von Lamas, die sie dann als Glücksbringer in ihr Haus einmauern. 7.BolivianerinÜberall sieht man die typisch farbenfroh gekleideten Bolivianerinnen mit ihren Melonenhüten. Außerdem versuchen wir vergeblich einen Hinterreifen für Tonys Motorrad zu finden, aber diese Größe gibt’s hier einfach nicht. Auf dem Rückweg halten Jana und ich noch beim Valle de la Luna an, beim Tal des Mondes, und klettern durch die bizarren Felsen, die durch Wind und Wasser so geformt wurden. Wir genießen noch einen Tag länger die Ruhe im Hotel bevor wir dann wieder aufbrechen. Jana und Patrick fahren wieder zurück nach Peru und wir treten den Weg ins Flachland an. Bis nach El Alto kämpfen wir uns aber noch zusammen durch, denn viele Straßen sind heute gesperrt. Heute ist der erste von vier Karnevalstagen und La Paz platzt aus allen Nähten. Warum die Menschen mit Regenjacken und Schirmen bei 30Grad im Schatten in die Innenstadt strömen, werden wir später noch am eigenen Leib erfahren. Nach ungefähr 2 Stunden haben wir endlich einen Weg aus der Stadt gefunden und hier trennen sich unsere Wege. Tony und ich fahren weiter in Richtung Cochabamba. Die 370 Kilometer-Etappe führt uns langsam von der Hochebene von 4000m auf 2500m über Null. Die Ruta 4 schlängelt sich durch die grünen Berge langsam hinab. In den Städtchen, durch die wir kommen, sind Märkte, wo uns einmal ein Betrunkener fast umrennt. Immer begleitet von dunklen Regenwolken fahren wir weiter, aber nur selten werden wir nass. Am Nachmittag müssen wir eine Pause einlegen, weil mich Magen- und Darmkrämpfe quälen. Von Tonys Beiwagen kommt ein merkwürdiges Geräusch und wir entdecken, dass eine Speiche abgebrochen ist und das Lager der Beiwagenachse freiliegt. Wir müssen die Abdeckung irgendwo verloren haben. In einem der nächsten Dörfer besorgen wir bei einer der wenigen geöffneten Werkstätten ein Topf Schmiere, um das Lager vor Wasser zu schützen. Am Abend kommen wir kurz vor Cochabamba in dem netten kleinen, sauberen Hotel „La Colina“ unter und mein Bauch lässt mich in dieser Nacht nicht viel schlafen. Trotzdem fahren wir am nächsten Tag weiter. In Cochabamba lernen wir den Karneval Boliviens kennen, wo vor allem Kinder und Jugendliche sich einen Riesen-Spaß draus machen, alles und jeden mit Wasserbomben oder Wasserpistolen zu beschießen. So werden wir im Laufe des Tages auch mit teilweise literweise buntgefärbtem Wasser bombardiert. Wir verlassen die Stadt Richtung Osten und lernen in dieser Etappe eine von Boliviens schönsten Seiten kennen. Hinter einer Bergkuppe entdecken wir durch den dichten Nebel eine einsame Lagune. Rechts und links steigen dicht bewaldete Berghänge steil auf. 13.SchlammpisteWolken hängen an den Bergen fest und schaffen eine mystische Stimmung. Ab und zu verwandelt sich die sonst gut asphaltierte Straße in eine schlammige rutschige Piste, die sich in langen Kurven um die Berge hinab schlängelt. Wir fahren mitten durch den Regenwald und können diese Schönheit der Natur kaum fassen. An einer Stelle hat ein hiesiger LKW-Fahrer die Gefahr dieser Straße wohl zu spät erkannt und ist rückwärts von der Straße in die 5Meter tiefere Böschung gestürzt. Zwei, dreimal an diesem Tag kommen wir in Polizeikontrollen, wo nach Drogen und Falschgeld gesucht wird. Meine BMW wird dabei einmal richtig gefilzt, ansonsten sind die Polizisten eher an Fotos mit Tonys Motorrad interessiert. Nach gut 200Kilometer kurvenreicher Strecke finden wir am Ortsausgang von Villa Tunari ein günstiges Hotel, wo viele Einheimische ihre karnevalsfreien Tage genießen. Nach kurzer Zeit kommen wir mit Heinrich ins Gespräch, ein Sohn deutscher Auswanderer, der in Santa Cruz im Flachland lebt und seit Jahrzehnten eine Rinderfarm betreibt. Er kann uns viel über Bolivien erzählen, über die Differenzen zwischen Hoch- und Tiefland, über Land und Leute. Wir erfahren von ihm, dass wir uns im Moment sozusagen in der Drogenhochburg Boliviens befinden. Kurz hinter den großen Straßen fangen die riesigen Kokafelder an. Nicht umsonst macht die Polizei hier ständig Drogenkontrollen, ist aber wohl selbst tief genug in diesem Handel verstrickt. Heinrichs Sohn ist Arzt und empfiehlt mir ein bestimmtes Antibiotikum für mein Verdauungsproblem. Es hilft mir schon nach wenigen Tagen.

Am nächsten Tag fahren wir morgens wieder los. Die Luftfeuchtigkeit beträgt fast hundert Prozent. Es ist immer noch Karneval und Kinder beschießen uns mit ihren Wasserpistolen. Wir haben wohl Glück, denn Jugendliche sollen die Wasserbomben auch schon mal mit Fäkalien befüllen. In Buena Vista am Plaza Principal machen wir Mittagspause. Es ist allerdings so heiß, dass wir kaum etwas essen können. In der Mitte des Platzes steigert sich die Karnevalsstimmung mit Livemusik.14. Stände mitten im Urwald Am späten Nachmittag erreichen wir Santa Cruz und haben somit das Hochland hinter uns gelassen. Die Anden im Rückspiegel fahren wir durch die Stadt und versuchen irgendwo noch einen Laden zu finden, wo man vielleicht einen Motorradreifen kaufen kann. Aber wegen Karneval haben alle Geschäfte geschlossen. Nur ein paar Restaurants und Kiosks sind geöffnet. Wir verlassen Santa Cruz und suchen in der langsam untergehenden Sonne eine Schlafgelegenheit. Ein Zeltplatz am Straßenrand ist mit feiernden Bolivianern komplett überfüllt und würde uns keine ruhige Nacht bescheren. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen und um nicht am Straßenrand schlafen zu müssen, fragen wir im Dorf „Zanja Honda“ einen Bauern, ob wir auf seinem Hof zelten dürfen. Nach kurzem Zögern und prüfendem Blick willigt er ein. Als wir unser Zelt aufgebaut und noch ein Süppchen gekocht haben, flitzt plötzlich eine Tarantel über den Hof in Richtung Zelt. Der Bauer stoppt sie mit einem beherzten Schlag. „Von denen gibt’s hier viele. Seid vorsichtig!“ Ist schon komisch, die Dinger in freier Wildbahn zu sehen.

Am nächsten Morgen weckt uns der Bauer kurz nach Sonnenaufgang. Wir sollen seinen Hof verlassen. Vielleicht befürchtet er Ärger zu bekommen, wenn er Touristen bei sich aufnimmt. Also sind wir so früh wie noch nie - um halb 8 auf den Mopeds und können heute viele Kilometer schaffen. Viele Kühe und Pferde sind auch schon auf den Straßen unterwegs, lassen sich aber von unsern lauten Motorrädern nicht stören und grasen weiter. In den Ortschaften, durch die wir kommen, geben die Kinder mit ihren Wasserbomben nochmal alles, und wir fahren Spießrouten. Ich versuche mich noch unter einen gefüllten Wasserbeutel zu ducken, der mir ein Junge mit voller Wucht gegen den Helm schleudert. Morgen ist der Spaß endlich vorbei.

Nach gut 500 Kilometern an diesem Tag kommen wir in der18. an der Grenze Grenzstadt Yacuita an und finden am nächsten Morgen, wo alle Geschäfte wieder offen haben, tatsächlich noch einen Reifen für Tony. Kurz vor der Grenze lassen wir ihn aufziehen, um unbehelligt nach Argentinien zu kommen. Die Grenze ist etwas versteckt, denn die Büros der Migration und des Zolls befinden sich mitten in der Stadt zwischen Supermärkten und Klamottenläden. Auf der argentinischen Seite müssen wir nur kurz hinter Kokablätter-kauenden schwitzenden LKW-Fahrern anstehen und werden dann dank Rolli-Bonus mal wieder vorgelassen. So sind wir am späten Vormittag mit allen Formalitäten fertig und nach einem letzten Foto mit den Grenzbeamten, starten wir nach Argentinien.

Unser Ziel ist das gut 1200Kilometer entfernte Posadas, wo uns ein Bekannter in sein Feriendomizil eingeladen hat. Die Ruta 81 ist eine der zahlreichen Ost-West-Verbindungen und bringt uns schnell durchs Land. Die Straße ist wie mit dem Lineal gezogen und führt uns schnurgerade durch grüne Felder, die gerade bewirtschaftet werden. An einer Tankstelle treffen wir auf eine Gruppe brasilianischer Motorradfahrer, die in 10 Tagen nach San Pedro de Atacama und zurück fahren. Zwischen Resistencia und Corrientes, zwei großen Städten im Norden Argentiniens, passieren wir ein Sumpfgebiet. Schließlich erreichen wir drei Tage nach dem Grenzübergang das riesige Haus unseres Freundes etwas südlich von Posadas. Die Villa mit zwei Bediensteten haben wir komplett für uns solange wir wollen. So können wir uns vor unserer letzten Etappe nochmal ausruhen und genießen die Ruhe. Allerdings verfolgen wir auch mit Schrecken die Nachrichten vom Unglück in Japan.

17.Pferde auf der StraßeNach ein paar Tagen machen wir die Mopeds wieder startklar und fahren nach Concordia an der argentinisch-uruguayischen Grenze. Unterwegs besuchen wir das „La Alemana“ – Die Deutsche, das uns durch deutsche Flaggen am Straßenrand auffällt. Mal gucken, was das ist. Auf der Terrasse zum Eingang begrüßt uns deutsche Volksmusik. Im Inneren kann man von Lederhosen über Trachten und Messern mit geschnitzten Griffen bis hin zu Wurst und Käse alles kaufen, was laut Klischee typisch deutsch ist.

Am nächsten Tag sind wir wieder in Uruguay und fühlen uns heimisch. Wir fahren den ganzen Tag durch und überraschen Noel und Andrea kurz vor Sonnenuntergang mit unserer Ankunft. Die Wiedersehensfreude ist groß.

Nach gut einer Woche haben wir unsere Motorräder in einem Container von Hamburg Süd verstaut und damit endet unser Abenteuer Südamerika – vorerst. Denn dieser eindrucksvolle Kontinent mit so unterschiedlichen und interessanten Kulturen sowie grandiosen Landschaften hat uns beide verzaubert und gefesselt. Eines Tages werden wir mit unseren Maschinen zurückkommen und die nächsten Abenteuer erleben…

 

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